Dezentrale Netzwerke und Nanotechnologie

Als gegen Ende der 90er Jahre das Internet seinen ersten Kulminationspunkt erreicht hatte und sich gleichzeitig die mobile Telefonie etablierte, eröffneten sich neue Möglichkeiten. Anwender konnten nun - zumindest theoretisch - mit ihren Geräten von fast überall auf das Netzwerk zugreifen.

Mittlerweile sind die meisten Geräte fähig, untereinander zu kommunizieren. Da sich Anwendungen und Daten oft auf Netzwerkservern befinden, postuliert der Soziologe Manuel Castells, dass sich die Computer-Intelligenz im Netzwerk selbst befindet (2004, S. 56).

Vinton Cerf, einer der Väter des Internets, visionierte 1997, dass es “in der zweiten Hälfte des nächsten Jahrzehnts - das heisst zwischen 2005 und 2010 - eine neue (technologische) Triebkraft geben wird: Milliarden von Geräten, die an das Internet angeschlossen sind” (Castells, 2004, S. 57).

“During the latter half of the next decade, there will be a new driver: billions of devices attached to the Internet.” (Cerf, 1997)

Cerfs Vision hat sich insofern bewahrheitet, als dass Milliarden von Geräten über einen Internetanschluss verfügen. Inwieweit diese Zugänge jedoch bei mobilen Produkten benutzt werden, darf aufgrund der hohen Tarife bezweifelt werden.

Für Castells (2004, S. 57) beruht nun der nächste Entwicklungsschritt auf der Nanotechnologie. Elektronische Schalterelemente in Computer-Chips sollen chemische Reaktionen anstelle von Licht verwenden. Analog zu den Vorgängen in den Synapsen (Kontaktstellen zwischen Nervenzellen) könnten Signale über Moleküle transferiert werden. Dank dieser molekularen Elektronik dürften “die physikalischen Beschränkungen der zunehmenden Dichte auf Silizium-Chips zu überwinden” (ebda.) sein.

Dies wiederum würde den Beginn eines neuen, durch x-fache Leistungsstärke und Miniaturisierung geprägten, Computerzeitalters einläuten. Castells zitiert diesbezüglich die Informatiker Hall und Markoff, die Welten voll von mikroskopisch kleinen Informationsverarbeitungsgeräten voraus sehen. Milliarden von Computern sollen allgegenwärtig und “wie Farbpigmente an der Wand” (Hall, 1999; Markoff, 1999) verteilt sein.

Mark Weisers Vision des Ubiquitous Computing wäre dann - hinsichtlich der Abdeckung - bei weitem übertroffen. Computernetzwerke wären dann Teil unserer Umgebung, ja sogar Teil unserer selbst. Die Embodied Reality wäre Realität. Die Computer würden zwar aus dem Blickfeld verschwinden, jedoch mehr Kontrolle denn je über unser Leben gewinnen.

~ von Sebastian am Mittwoch, 9. April 2008.

Eine Antwort to “Dezentrale Netzwerke und Nanotechnologie”

  1. In der Medizin wäre der Nutzen einer solchen Technologie gigantisch. Die Erwartungen sind gross, welche an den Einsatz der Nanotechnologie im medizinischen Bereicht gestellt werden. Im Internet fand ich eine äusserst interessante Seite, die sich mit der Nutzungsfrage in der Medizin auseinander setzt http://www.ta-swiss.ch/d/arch_biot_nano.html
    Die Studie, welche zwischen 2001 und 2003 durchgeführt wurde, befragte diverse Fachpersonen nach deren Einschätzungen und Meinungen zu dem Einsatz von Nanotechnologie im medizinischen Bereich. Das Resultat ist jedoch ernüchternd. Die grösste Problem stellt die Eventualität der Giftigkeit für den menschlichen Organismus dar. Auch bei der Gendiagnostik könnten sich nach Einschätzung der befragten Experten die bekannten Probleme verschärfen durch die Nanotechnologie.
    Die befragten Fachleute erwarten bis 2010 vor allem im Bereich der Diagnose von Krankheiten markante Fortschritte: Diagnosen werden schneller, können schon im Frühstadium einer Krankheit gestellt werden und liefern genauere Resultate als bisher. Dank den Ergebnissen der Nanowissenschaften sollten nach Einschätzung der Experten auch Therapien bis 2020 markant verbessert werden können. In erster Linie erhofft man sich Fortschritte in der Früherkennung und Behandlung von Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und viralen Infektionen. Allerdings werden die Möglichkeiten der Nanotechnologie heute insgesamt wohl eher überschätzt – so dürften die viel zitierten Nanoroboter noch sehr lange ins Reich der Science Fiction gehören.

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