Silent Commerce II

Smarte Produkte und Dienstleistungen

Wie die im letzten Blogeintrag skizzierten Gedanken nun betriebswirtschaftlich manifestiert werden können, ist Thema dieses Eintrages. Ubiquitous Computing ermöglicht es, die Abbildungsqualität eines Ist-Zustandes zu erhöhen. Unter Abbildungsqualität verstehen Fleisch et al. (2005, S. 18 ) die aufgabenorientierte Datenqualität, also das Ergebnis aus Datenqualität und Abbildungsmodell. Dank genaueren, aktuelleren und granulierteren Messdaten sind auch effektivere und effizientere Kontrollen möglich, was zu einem qualitativ hochwertigeren Managementkreislauf führt. Dies wiederum ist die Basis für automatische Prozesskontrollen sowie neue smarte Produkte und Dienstleistungen.

Automatisieren lassen sich beispielsweise Kontrollaufgaben bei Warenbuchungen und -checks. Das Modehaus Gerry Weber ersetzte das manuelle Abgleichen von Lieferschein und Paketinhalt (diese waren zuvor aus Kostengründen nur stichprobenartig durchführbar) durch eine automatische Kontrolle mit Hilfe von RFID-Chips. Hierbei handelt es sich um einen problemorientierten Top-down-Ansatz. Eine neue Technologie (RFID) soll einen Prozess inkrementell verbessern. Fleisch et al. (2005, S. 21) sind jedoch der Ansicht, dass solche Vorgehensweisen die Möglichkeiten der neuen Technologie oft nur teilweise ausschöpfen.

Vielversprechender ist der Bottom-up-Ansatz. Er fusst auf den neuen technischen Potenzialen, welche eine gesteigerte Abbildungsqualität liefern. Dieser Mehrwert kann und soll bewirtschaftet werden. Im Fall von Ubiquitous Computing entstehen so „smarte“ Produkte bzw. Dienstleistungen. „Smart“ sind diese insofern, als dass die menschliche Kontrolle an Computerchips abgegeben wird. Bisher war schlicht und einfach nur das menschliche Gehirn in der Lage, reale Objekte kontextuell zu beurteilen. Als Beispiel führen Fleisch et al. (2005, S. 22) die Lagerung von Fässern chemisch hochreaktiven Inhalts auf.

Smarte Produkte sind in diesem Sinne Produkte, die Zusatzfunktionen aus der neuen höheren Abbildungsqualität durch UbiComp-Technologie erzielen. Sie machen ihre Funktionen abhängig von der unmittelbaren Umgebung, [...] mit der sie interagieren.“ (Fleisch et al., 2005, S. 22)

Weitere neue Produktfunktionen bieten…

  • …der Werkzeugkoffer, der sich selbstständig auf Vollständigkeit überprüft,
  • …die Lebensmittelpackung, welche die Integrität der Kühlkette sicherstellt oder
  • …die Maschine, die nur mit Originalersatzteilen funktioniert.

Einen Zusatznutzen generieren solche Zusatzfunktionen, wenn sie Status- und Kontextinformationen signalisieren können. Im Bibliotheksbereich wäre dies beispielsweise dann der Fall, wenn ein Buch seine Ausleihstatistiken und seinen (korrekten) Standort anzeigen würde.

Beispiel_Track and Trace von DHL

Für Unternehmen lukrativer als der alleinige Verkauf von Produkten ist gemäss Fleisch et al. (2005, S. 26) die Koppelung mit „produktbezogenen Dienstleistungen“. Mit Hilfe von UbiComp-Technologien können bisher nicht messbare Prozesse messbar und somit handelbar gemacht werden. Kombiniert man diese beiden Erkenntnisse, so entstehen smarte Dienstleistungen (DL). Beispiele sind:

  • Kontroll-DL: Track & Trace (siehe Bild), Diebstahl- und Fälschungssicherung, Rückverfolgung
  • Leasing-DL: dank genauerer Abbildungsqualität wird Nutzung und nicht Besitz verrechnet (Road Pricing)
  • Risiko-DL: Rekonstruieren eines Unfallherganges und Klärung der Schuldfrage mit Crash Recorder
  • Informations-DL: kontextsensitive Informationen (Besucherinformationssystem, Geotagging)

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~ von Sebastian am Sonntag, 20. April 2008.

2 Antworten to “Silent Commerce II”

  1. Laut der Internetseite http://wissensnavigator.ch/interface2/management/economy/silent_commerce/index.htm ist unter dem Begriff Silence Commerce folgendes zu verstehen:
    „Grundlage des Silent Commerce bildet die Automation, die Kunde, Produzent und Maschinen in einem globalen Netzwerk von Querverbindungen miteinander verbindet. Durch die Automation des E-Commerce werden die Transaktionen direkt von Rechner zu Rechner durchgeführt, Bestellungen selbständig getätigt und Geschäfte automatisch abgeschlossen. Zwar ist Silent Commerce noch in der Testphase, aber wenn „die Dinge erst einmal gelernt haben zu denken“, wie Gershenfeld behauptet, dann wird der Kühlschrank automatisch erkennen, wenn er Vorräte nachbestellen muss, und das Warenlager wird vollautomatisch die Nachbestellung des Bestandes vornehmen.“
    Wie hier der Ansatz von Bottom-up und Top-down anzuwenden ist, ist mir allerdings noch nicht ganz einleuchtend. Wahrnehmung ist ein subjektiver Prozess, der sich meines Verständnisses her nur sehr schwer wenn überhaupt automatisieren lässt.
    Im Beispiel der Maschine, welche nur mit Originalteilen läuft, sehe ich gerade in dieser Aussage eine Diskrepanz verglichen mit dem Ansatz von Ubiquitous Computing, dass alle Dinge miteinander Kommunizieren können und somit ja kompatibel sein sollten. Da sollte es meines Erachtens doch keine Rolle mehr spielen, ob das Ersatzteil nun aus dem Lager A oder B stammt. Auch der Ansatz des verbesserten Sammeln und Erheben von Daten scheint mir doch noch ein wenig weit her geholt. Ich denke da nur an die Datenerhebungen von Migros und Coop durch die Cumulus oder Supercard: Es gäbe sehr viele Möglichkeiten von Datenerhebung, jedoch können diese nicht durchgeführt werden, da es sich schlichtweg um zu viele Daten handelt und diese daher nicht ausgewertet werden können.
    Das Problem liegt also nicht im Sammeln von Daten sondern in der Auswertung und in der Schwierigkeit, diese in Bezug zueinander zu bringen und genau hier sehe ich die Chance von Ubiquitous Computing.

  2. Wie überall gibt es auch im UbiComp divergierende Interessen. Während die Einen möglichst offene Schnittstellen und grenzenlose Kommunikationskompetenz fordern, plädiert die Industrie für eine digitale Authentizitätsprüfung. Diese verschafft den Herstellern eine Kontrolle mit weitreichenden ökonomischen Folgen. Für die Konsumenten ist eine solche Lösung natürlich nicht sehr interessant, da sie so in proprietäre Systeme gezwungen werden. Andererseits gilt es zu beachten, dass heutzutage eine solche Kontrolle auch schon stattfindet. Momentan verwenden die Hersteller von Maschinen einfach physische Barrieren, wie beispielsweise patentierte Passformen (siehe Nespresso-Kapselsystem).
    Ich bin der Meinung, dass es für technisch versierte Konsumenten durch die neue, digitale Technologie eher einfacher wird, Schutzmechanismen der Hersteller zu umgehen. Denken wir nur an den Ländercode bei DVDs. Und einmal geknackt, verbreitet sich der digitale Schlüssel dank des Internets in Windeseile um die Welt.

    Bezüglich der Datenflut bei Konsumentendaten hilft vielleicht das Data-Mining weiter.

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